
von links nach rechts: Karl Seiler und Stefan Leitner (fehlt)- Kassenprüfer / Hannes Winterer - Schriftführer / Iris Winterer - Schriftführerin / Resi Schlög -1. Schützenmeisterin und Damenleiterin / Hans Schuster - Stand- und Waffenwart / Grit Gmaindl - 2. Kassier / Tobias Schlögl - Sportleiter und Fähnrich / Bianca Böhm - Jungendleiterin / Chrisitan Ettenberger - Jungendleiter / Franz Brem - 1. Kassier / Werner Becker - 1. Schützenmeister
Im Jahr 1950, gerade einmal fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, begann auch in den Dörfern langsam wieder das Vereinsleben aufzublühen. In Emertsham fanden sich einige Männer zusammen, die den Schießsport und die Gemeinschaft wieder aufleben lassen wollten.
Zunächst wurde nachgeforscht, ob es in der Gemeinde bereits früher einen Schützenverein gegeben hatte, dessen Tradition man hätte fortführen können. Zwar gab es Hinweise darauf, dass vor dem Ersten Weltkrieg in Altenham ein Schützenverein bestanden haben soll, Aufzeichnungen darüber konnten jedoch nicht mehr gefunden werden.
So fiel die Entscheidung, in Emertsham einen neuen Schützenverein zu gründen.
Bei der Gründungsversammlung einigte man sich auf den Namen „Alt- und Jungschützengesellschaft“. Schon damals war der Gedanke dahinter, möglichst viele Menschen unterschiedlichen Alters anzusprechen – ein Grundgedanke, der bis heute zu unserem Verein passt.
Das erste Vereinslokal war beim Wimmer Wirt.
Zu den heute noch bekannten Gründungsmitgliedern gehörten Otto Zach, Andreas Mayr sen., Andreas Wimmer, Max Stauderer sen., Hans Harrecker sen., Englbert Thalhammer, Stefan Kaltenhauser, Josef Pleyer, Hans Huber und Heinrich Sax.
Zum ersten Schützenmeister wurde Andreas Mayr sen. gewählt. Er sollte dieses Amt beeindruckende 28 Jahre lang ausüben. Zweiter Schützenmeister wurde Max Stauderer.
Damit der junge Verein überhaupt mit dem Schießen beginnen konnte, musste zunächst ein Gewehr angeschafft werden.
Ein Zimmerstutzen kostete damals rund 350 DM – nur zwei Jahre nach der Währungsreform eine beträchtliche Summe.
Der damalige Hauptlehrer Max Fichtl hatte schließlich die rettende Idee: Der „Wirts-Anderl“, Andreas Wimmer, sollte das Geld zunächst vorstrecken und der Verein ihm den Betrag nach und nach zurückzahlen.
Der Vorschlag fand großen Anklang – außer vielleicht bei dem jenigen, der das Geld vorstrecken sollte.
Doch Andreas Wimmer ließ sich darauf ein. Sein Geld bekam er tatsächlich zurück, wenn auch verteilt über einen Zeitraum von rund zwei Jahren.
Gleich am nächsten Tag machte sich der Vorstand auf den Weg zu Pachmayr nach Traunstein, um den ersten eigenen Zimmerstutzen der jungen Schützengesellschaft zu kaufen. Damit war eine wichtige Voraussetzung für den Schießbetrieb geschaffen – doch einfach loslegen konnte man deshalb noch lange nicht.
Man darf nicht vergessen: Die Gründung des Vereins erfolgte im Jahr 1950 und damit nur fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Nachkriegszeit war noch deutlich spürbar und die amerikanische Besatzungsmacht hatte in vielen Bereichen weiterhin ein gewichtiges Wort mitzureden.
Ein neu gegründeter deutscher Verein, der ein Gewehr anschaffte, wurde deshalb zunächst durchaus kritisch betrachtet. Zu frisch waren die Erinnerungen an Krieg und Militarisierung, und so musste erst einmal klargestellt werden, welchen Zweck die neue Schützengesellschaft tatsächlich verfolgte.
Der Schützenmeister war daher verpflichtet, eine entsprechende Erklärung abzugeben. Darin wurde ausdrücklich festgehalten, dass der Verein der Geselligkeit und dem sportlichen Schießen dient und keinerlei militärische oder politische Ziele verfolgt.
Erst nachdem auch diese Voraussetzung erfüllt war, stand dem Beginn des Schießbetriebs nichts mehr im Wege.
Was heute selbstverständlich erscheint – gemeinsam im Verein dem Schießsport nachzugehen – erforderte in den Anfangsjahren also nicht nur Begeisterung und Zusammenhalt, sondern auch einiges an Organisation und Beharrlichkeit.
Und damit konnte es endlich heißen: Die Schützengesellschaft Emertsham schießt.
In den ersten Jahren fand das Schießen direkt im Gastzimmer statt.
Einige Sperrholzplatten trennten die Schützen von den übrigen Gästen. Eine automatische Scheibenzuganlage gab es selbstverständlich noch nicht.
Stattdessen wurde die Scheibe vorne eingesetzt. Unterhalb der Scheibe saß, geschützt hinter einem Verschlag, der sogenannte „Zieler“. Nach jedem Schuss zeigte er auf einer Zahlentafel an, welchen Treffer der Schütze erzielt hatte.
Bei einem besonders guten Treffer – einem 12er – durfte es durchaus einmal einen lauten „Juchzer“ geben. Und manchmal sprang für den Zieler dabei sogar ein 10erl Trinkgeld heraus.
Von vollelektronischen Schießständen war man damals noch sehr weit entfernt.
Neben aller Geselligkeit entwickelte sich natürlich auch die sportliche Seite des Vereins weiter.
Um dem Schießsport und den damit verbundenen Traditionen einen würdigen Rahmen zu geben, beschloss die Schützengesellschaft, eine eigene Schützenkette anzuschaffen.
1955 begann man deshalb, Taler zu sammeln, um eine entsprechende Grundausstattung zusammenzustellen und die damit verbundenen Kosten finanzieren zu können.
Die Schützenkette wurde damit zu einem weiteren sichtbaren Zeichen für die wachsende Tradition der noch jungen Schützengesellschaft.
Im April 1956 hielt der Verein das erste Königsschießen ab, und Otto Zach ging mit einem 14-Teiler als erster Emertshamer Schützenkönig hervor. Das wurde mit einem großen Schützenfest, mit Unterstützung einer 40-Mann Blaskapelle aus Österreich, gefeiert.
Ein Jahr zuvor hatte der Komponist und Kapellmeister Hans Schneider aus Liezen in der Steiermark nach Emertsham geheiratet und er erklärte sich bereit, die Blaskapelle seiner Heimatstadt nach Emertsham zu holen. Die Kapelle spielte am Abend in den beiden voll besetzten Sälen, beim Wimmer und beim Spirkl. Am Sonntag gab’s dann noch ein Standkonzert. Noch heute erzählen die älteren Schützen gerne von diesem Großereignis, das der Schützenkasse sehr wohltat, hatte man doch bei der Ankunft der Musik nur noch DM 20,- in der Kasse.

Ermutigt durch diese Finanzspritze leistete sich der Verein ein Luftgewehr. Der Zimmerstutzen wurde immer unbeliebter, weil bei Vergleichskämpfen durch das kleinere Kaliber immer schlechtere Ergebnisse rauskamen.
Ab 1962 stellte man den Schießbetrieb völlig um. So wurde vom Gastzimmer ins Nebenzimmer geschossen. Ein Tisch, an die Wand gerückt, diente als Standverlängerung, um die vorgeschriebenen 10 Meter in etwa zu erreichen.
War man bis 1965 ein “wilder Verein”, der sich privat versicherte, so entschloss man sich jetzt dem Gau- und Sportschützenbund beizutreten.
Die Geselligkeit gehörte von Anfang an fest zur Schützengesellschaft Emertsham. Sie war sogar ausdrücklich in den Statuten und später in der Satzung verankert. Erst 1997, im Zuge der Beantragung der Gemeinnützigkeit, musste dieser Passus gestrichen werden.
Dass es bei den Schießabenden nicht immer ausschließlich um das sportliche Ergebnis ging, zeigt eine Geschichte, die bis heute überliefert ist.
Ein Vertreter, der regelmäßig Firmen in der Umgebung besuchte, kam gerne zu den Schießabenden nach Emertsham. Eines Tages überzeugten ihn die Schützen davon, dass einer ihrer „Kunstschützen“ etwas ganz Besonderes beherrsche:
Rückwärts über die Schulter schießen und dabei nur mithilfe eines Spiegels einen 12er treffen.
Eine Zündkapsel ohne Kugel im Zimmerstutzen und ein eingeweihter Zieler machten das vermeintliche Kunststück perfekt.
Dem verblüfften Gast blieb anschließend wohl nichts anderes übrig, als eine Runde zu bezahlen.
Geschichten wie diese zeigen, dass Humor und Gemeinschaft schon damals mindestens genauso zum Vereinsleben gehörten wie die Treffer auf der Scheibe.
Was 1950 mit einem einzigen, mühsam finanzierten Zimmerstutzen im Gastzimmer begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem modernen Schießsportverein.
Ein bedeutender Schritt erfolgte 2002, als der Schießstand auf insgesamt 20 Schießstände ausgebaut wurde.
Mehr als zwei Jahrzehnte später stand erneut eine große Veränderung an.
Im Jahr 2025 stand eine der größten Modernisierungen der jüngeren Vereinsgeschichte an. Dabei wurde nicht nur der eigentliche Schießstand erneuert – das gesamte Schützenheim wurde umfassend umgebaut und modernisiert.
Aus den bisherigen 20 Seilzugständen entstanden 15 moderne Schießstände. Davon sind heute 12 vollelektronisch, ergänzt durch 3 Lichtgewehr- und Lichtpistolenstände, die insbesondere für die Nachwuchsarbeit optimale Voraussetzungen bieten.
Auch die Räumlichkeiten rund um den Sport wurden neu gestaltet und den heutigen Bedürfnissen des Vereins angepasst. Jugendraum, Küche, Garderobe und weitere Bereiche des Schützenheims wurden erneuert und modernisiert.
Dabei entstand nicht einfach nur eine moderne Sportstätte. Es wurde ein Ort geschaffen, an dem Schießsport und Vereinsleben gleichermaßen ihren Platz haben – zum Trainieren und für Wettkämpfe, aber genauso zum Zusammensitzen, Ratschen, Feiern und für gemeinsame Veranstaltungen.
Ein Projekt dieser Größenordnung wäre ohne den Einsatz vieler helfender Hände nicht möglich gewesen. Zahlreiche Mitglieder brachten unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden, handwerkliches Können und persönliches Engagement ein. Hinzu kam die wertvolle Unterstützung unserer Standpaten, Förderer und Unterstützer.
So wurde aus dem Umbau ein echtes Gemeinschaftsprojekt.
Das Ergebnis verbindet heute moderne Schießsporttechnik mit einem lebendigen Vereinsheim und schafft damit die Voraussetzungen, unseren Verein auch in Zukunft weiterzuentwickeln.
Ein Stück Heimat, das gemeinsam geschaffen wurde – und in dem sich hoffentlich noch viele Generationen von Schützinnen und Schützen zuhause fühlen werden.
Heute verbindet die Schützengesellschaft Emertsham das, was unseren Verein seit seiner Gründung geprägt hat:
Schießsport, Gemeinschaft und Tradition.
Bei uns treffen sich Menschen unterschiedlichen Alters und mit ganz verschiedenen Ambitionen. Manche möchten sich sportlich messen und nehmen an Rundenwettkämpfen, Meisterschaften und Freundschaftsschießen teil. Andere genießen das regelmäßige Training und den Ausgleich zum Alltag. Und wieder andere schätzen vor allem das Vereinsleben und die Gemeinschaft.
Unser Nachwuchs kann bereits ab 6 Jahren mit Lichtgewehr und Lichtpistole erste Erfahrungen sammeln. Ab 12 Jahren ist das Schießen mit Luftgewehr und Luftpistole möglich.
Doch Nachwuchsarbeit ist nur ein Teil unseres Vereins.
Bei uns ist jeder willkommen – egal ob jung oder alt, Anfänger, Wiedereinsteiger oder erfahrener Schütze.
Denn auch mehr als 75 Jahre nach unserer Gründung gilt noch immer das, was schon die ersten Emertshamer Schützen zusammengebracht hat:
Es geht um den Sport. Es geht um die Menschen. Und es geht um die Freude daran, gemeinsam etwas zu erhalten und weiterzuführen.